Um in dieses Paradies des Secondhand-Designs zu gelangen, muss man einen Termin in der Tasche haben, ohne Angst ein Industriegebiet in L’Hospitalet de Llobregat durchqueren und durch eine Tür gehen, die nichts ankündigt. Doch hinter diesem unscheinbaren Eingang verbirgt sich Brutus de Gaper, ein 1.700 Quadratmeter großer Hangar, der wahrscheinlich das größte Vintage-Lager Spaniens ist und zu einer Art “ Kultrequisite “ für das audiovisuelle Starsystem und die erlesenste Kundschaft Barcelonas geworden ist.
Dieser riesige, schweigsame Raum ist kein gewöhnlicher Laden, sondern eine Zeitmaschine ohne Verkäufer und Posen. Hier stapeln sich italienische Sessel aus den 60er Jahren, deutsche Bürolampen aus den 70ern und dänische Sideboards, die Geschichte atmen und nach altem Holz riechen. Alle mit der Patina der Zeit, keine Kopien.
Ein Hobby, das aus dem Ruder gelaufen ist
Hinter diesem Projekt steht Niels Jansen, ein Niederländer, der zusammen mit Ron Van Melick sein Firmenleben hinter sich ließ, um vor einem Jahrzehnt Brutus de Gaper zu gründen. In verschiedenen Berichten definiert er dieses Unternehmen als ein Hobby, das aus dem Ruder gelaufen ist. Das Unternehmen arbeitet mit zwei Geschwindigkeiten, wobei sich Verkauf und Vermietung von Teilen die Waage halten.
Im Verkauf ist die Kundschaft vielfältig, aber es gibt ein Expat-Profil (viele Amerikaner) und neuerdings auch einen unerwarteten chinesischen Kunden mit exquisitem Geschmack. Die andere große Lunge ist jedoch die audiovisuelle Industrie. Große Produktionen wie die Netflix-Serie „Assault on the Central Bank“ sind hier vorbeigekommen, um historische Kulissen nachzustellen, von Büros aus den 70er Jahren mit ihren Originalschreibtischen und -lampen bis hin zu Räumen, die aussehen, als seien sie aus einem Archiv entnommen.
Eintritt nur nach Vereinbarung
Die Kriterien von Brutus de Gaper sind so streng wie die eines Sammlers: Es werden nur Originalstücke zugelassen, die nicht mehr hergestellt werden. Die Ware kommt einmal im Jahr in einem großen Lastwagen aus Holland, Belgien, Deutschland und Skandinavien nach Barcelona. Wie Jansen gegenüber Idealista/News erklärte, ist der Lagerbestand ihre größte Versicherung. Es handelt sich um eine ständige Kuratierungsarbeit, bei der jedes Stück sorgfältig geprüft und in seinem alten Glanz wiederhergestellt wird.
Obwohl der Bestand riesig ist, handelt es sich nicht um ein Geschäft, in dem verkauft wird. Obwohl der Mythos „Second Hand muss billig sein“ in der spanischen Mentalität immer noch präsent ist, haben die Stücke hier einen historischen und gestalterischen Wert, für den man bezahlt. Eine Stehlampe kann etwa 300-400 Euro kosten, ein Tisch bis zu 1.500 Euro. Jansen ist jedoch optimistisch, dass die Generation der 30- bis 40-Jährigen allmählich begreift, dass hochwertiger Vintage eine Investition und kein Schnäppchen ist.
Brutus de Gaper, dessen Name sich aus dem Namen eines von Jansen nicht vergebenen Sohnes(Brutus) und dem Symbol der niederländischen Apotheken(de Gaper) zusammensetzt, ist ein Unternehmen, das hinter verschlossenen Türen arbeitet. Es gibt keine invasiven sozialen Netzwerke oder ungefilterte Besuche. Die Ernennung ist keine Geste des Snobismus, sondern des Schutzes: des Raums, des Produkts und des menschlichen Rhythmus, den der Niederländer beibehalten will. „Wenn das hier das Ikea der Angeberei wird, gehe ich“, sagt er.
Wie so oft in der sich wandelnden Stadtgeografie Barcelonas und seiner Umgebung hat auch dieses Refugium leider ein Verfallsdatum. Die urbane Zukunft von L’Hospitalet wird das Lagerhaus wahrscheinlich dazu zwingen, seinen Standort zu wechseln. Sie erwägen Terrassa oder Sabadell, obwohl sie lieber in der Nähe von Barcelona bleiben würden.
