Es gibt Ecken in Katalonien, in denen die Zeit zwischen dicken Steinmauern und dem ständigen Rauschen des Wassers stillzustehen scheint. Weit weg vom heißen Asphalt der Stadt, in einer Umgebung, in der die Natur wild wächst und mehr als tausend Pflanzenarten beherbergt, verbirgt sich ein Reiseziel, das voller Kontraste steckt. Es ist ein Ort, an dem man der Hitze dieser Monate auf die bestmögliche Art und Weise trotzen kann: indem man in unberührte Landschaften und kristallklare Flüsse unter der Sonne eintaucht.
Wir sprechen von Arnes, einer Gemeinde in der Provinz Tarragona in der Region Terra Alta, die auf einem Hügel am Fluss Algars liegt, direkt an der Grenze zu Aragón. Umgeben vom Naturpark Els Ports ist dieser Ort dank eines doppelten Angebots der perfekte Ausflugsziel für die aktuelle Sommersaison: zum einen eine Altstadt, die zum Kulturgut erklärt wurde, und zum anderen ein Netz aus frei zugänglichen natürlichen Wasserbecken und Wasserfällen, die als Oase für alle dienen, die dem Trubel der Stadt entfliehen wollen.
Ein Streifzug durch die Geschichte zwischen den Portalen der Templer
Ein Spaziergang durch das Gewirr der gepflasterten Gassen von Arnes ist buchstäblich eine Reise um Jahrhunderte zurück. Die mittelalterliche Atmosphäre ist sehr gut erhalten, besonders hervorzuheben sind vier alte Portale und die Überreste einer Burg, die einst dem Templerorden gehörte. Interessanterweise wurden heute einige der alten Quadersteine dieser Festung wiederverwendet und sind Teil der Häuser der Anwohner. Auch die Sakralarchitektur spielt in der Gemeinde eine wichtige Rolle, etwa mit der barocken Kirche Santa Magdalena, die 1693 auf den Trümmern einer früheren gotischen Kirche errichtet wurde.
Das Herz des Ortes schlägt im Rathaus, einem der ersten Renaissancegebäude Kataloniens. Es wurde 1584 von Joan Vilabona de Queretes erbaut und beeindruckt mit seiner überdachten Markthalle, die wie ein Portikus wirkt, und einem Dach, das von Gesimsen und Wasserspeiern gekrönt wird. Im Inneren befindet sich das Honig-Informationszentrum, eine interaktive Entdeckungsreise durch die lange Imkertradition der Region. Den Rundgang durch die Sehenswürdigkeiten kannst du mit einem Besuch der alten Ölmühle „Molí de l’Oli“ abrunden, die heute als Informationszentrum des Naturparks und als Raum für Wechselausstellungen dient, sowie der Kapelle Santa Madrona am Ortsrand – einem Gotteshaus aus dem 15. und 16. Jahrhundert, dessen genaue Vergangenheit während des Bürgerkriegs in Schutt und Asche gelegt wurde.
Baden zwischen Felsen und Wasserfällen
Aber was die Besucher im Sommer besonders anzieht, sind die spektakulären natürlichen Badebecken, die sich in der Umgebung bilden. Etwa sieben Kilometer vom Ortszentrum entfernt belebt der Fluss Algars den „Toll del Vidre“, ein Becken mit unglaublich kristallklarem Wasser und einem kleinen Wasserfall von drei bis vier Metern Höhe. Man gelangt mit dem Auto über eine asphaltierte Straße bis zu einem ausgewiesenen Parkplatz und von dort bequem über eine Treppe hinunter zu einem felsigen Bereich, der ideal ist, um sein Handtuch auszubreiten.
Eine weitere unschlagbare Option in der Umgebung des Parks sind die „Estrechos de Arnes“, eine beeindruckende Schlucht mit senkrechten Felswänden, die vom Fluss Estrets ausgehöhlt wurde. Der Ausflug beginnt damit, dass man das Auto auf dem Parkplatz von La Franqueta abstellt, und nach einem einfachen und angenehmen Weg endet er an einem weiteren fantastischen natürlichen Kaltwasserbecken, das zum Baden geeignet ist (wichtig zu wissen: Auch wenn man unterwegs weitere Teiche sieht, ist das Baden dort nicht erlaubt). Da es an beiden Orten mitten in der Natur keinerlei Infrastruktur gibt, solltest du Proviant für den ganzen Tag mitnehmen und vor allem gute Wasserschuhe, um das Wasser sicher genießen zu können.