Um sich heute in Barcelona und Umgebung fortzubewegen, braucht man eine Extraportion Geduld und sollte vor allem die Anzeigetafel checken, bevor man das Haus verlässt. Der starke Sturm, der über die Region fegt, hat den Bahnverkehr lahmgelegt und die Behörden dazu gezwungen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten. Obwohl das Innenministerium ursprünglich vorhatte, alles wie gewohnt laufen zu lassen, hat das Wetter schon erste Spuren im Verkehrsnetz hinterlassen.
Die Ministerin Núria Parlon hat nach einem Treffen mit Territori, Adif und Renfe bestätigt, dass der Dienst von Rodalies und Ferrocarrils de la Generalitat (FGC) den ganzen Tag über aktiv bleiben wird. Diese „Normalität” hat aber ein paar Einschränkungen: An verschiedenen kritischen Stellen wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und es werden sogenannte „Leerfahrten” (Züge ohne Passagiere, die fahren, um zu checken, ob die Gleise frei sind) gemacht, bevor die kommerziellen Züge fahren dürfen.
Zwischenfälle und vom Wind betroffene Strecken
Trotz der Vorsichtsmaßnahmen hat der Wind schon zu ersten ernsthaften Zwischenfällen geführt. Umgestürzte Bäume auf die Infrastruktur haben dazu geführt, dass der Verkehr auf mehreren wichtigen Streckenabschnitten in den frühen Morgenstunden vorübergehend eingestellt werden musste. Zu den am stärksten betroffenen Strecken gehören die R1 mit Unterbrechungen zwischen Blanes und Maçanet, die R11 auf dem Abschnitt zwischen Girona und Maçanet und die R4, die sowohl in Richtung Norden zwischen Terrassa und Manresa als auch im Großraum zwischen L’Hospitalet und Molins de Rei unterbrochen war.
Obwohl auf einigen dieser Strecken der Verkehr nach und nach wieder aufgenommen werden konnte, ist die Lage weiterhin instabil. Laut dem Servei Meteorològic de Catalunya (Meteocat) könnten die Windböen in Küsten- und Vorlandgebieten 70 bis 80 km/h erreichen, was die Wartungsteams von Adif in höchster Alarmbereitschaft hält, die ihre Präsenz auf den Gleisen verstärkt haben, um im Notfall sofort eingreifen zu können.
Bahnhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen
Die wichtigste Nachricht der letzten Stunde ist die vorsorgliche Schließung von drei wichtigen Bahnhöfen. Renfe hat beschlossen, die Bahnhöfe Premià de Mar, Malgrat de Mar und Barberà del Vallès zu schließen. Der Grund dafür ist nichts anderes als das strukturelle Risiko: Die starken Windböen drohen, Teile der Bahnsteigdächer abzureißen, was eine direkte Gefahr für die Reisenden darstellt.
Um diese Unterbrechung abzufedern, wurde ein alternativer Busdienst eingerichtet, der die Mobilität zwischen Pineda und Blanes sowie auf der Strecke von Ocata nach Vilassar sicherstellt. Es ist eine drastische Maßnahme, aber notwendig angesichts eines unerbittlichen Unwetters, um Unfälle durch herabfallende Teile der Infrastruktur zu vermeiden.
Wie wirkt sich der Wind auf den AVE Barcelona-Madrid aus?
Im Gegensatz zum Rodalies-Netz erweist sich der Hochgeschwindigkeitszug als widerstandsfähiger gegenüber dem Unwetter. Wie Adif mitteilte, wird der kommerzielle Betrieb der AVE-, Avlo-, Iryo- und Ouigo-Züge zwischen Barcelona und Madrid nicht direkt von den Windböen des Sturms Nils beeinträchtigt. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind für härtere Wetterbedingungen ausgelegt, und bisher wurden keine wetterbedingten Ausfälle oder außergewöhnlichen Verspätungen in diesem Korridor gemeldet.
Allerdings sollte man bedenken, dass die Strecke aufgrund der von Adif nach dem Unfall von Adamuz im Januar auferlegten Geschwindigkeitsbeschränkungen bereits eine strukturelle Verspätung von durchschnittlich 25 Minuten aufweist. Wenn Ihr Zug also etwas verspätet ist, liegt das höchstwahrscheinlich an diesen vorbeugenden Überprüfungen der Infrastruktur und nicht am heutigen Sturm.
Ein neues Protokoll in Sicht
Dieses Management des Dienstes unter widrigen Wetterbedingungen kommt zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt für den öffentlichen Nahverkehr in Katalonien. Nach den jüngsten Vorfällen aufgrund starker Regenfälle, wie dem tragischen Einsturz einer Mauer in Gelida, arbeitet die Regierung an der Erstellung eines spezifischen Protokolls für extreme Wetterereignisse. Das Ziel ist es, Kriterien zu vereinheitlichen, um zu entscheiden, wann es unbedingt notwendig ist, den Verkehr vorsorglich einzustellen, was die FGC bereits intern anwendet, aber Rodalies standardisieren möchte.
Für diejenigen, die den Bus als Alternative auf Strecken nutzen müssen, auf denen der Zug wegen Bauarbeiten oder Pannen nicht fährt, gilt die gleiche Empfehlung: äußerste Vorsicht. Auch die Ersatzbusse müssen sich an die Anweisungen der Mossos d’Esquadra halten, die technische Stopps anordnen können, wenn die Straßenverhältnisse gefährlich werden. Kurz gesagt: Heute sollte man nur reisen, wenn es unbedingt nötig ist, und wenn man es tut, sollte man sich darauf einstellen, dass die Uhr nicht der beste Freund ist.