Jeder, der schon einmal einen Rodalies-Zug verpasst hat, weiß, dass es sich nicht nur um eine Verspätung handelt, sondern um Angst, Ungewissheit, Wut, körperliches Unbehagen und aufgestaute Frustration. Eine vom Fachbereich Psychologie der Universitat Rovira i Virgili (URV) koordinierte Studie hat dies nun wissenschaftlich bestätigt: Regelmäßige Nutzer von Rodalies- und Regionalzügen haben ein deutlich höheres Maß an Stress, Angst, Depression, Feindseligkeit und körperlichen Symptomen als die übrige Bevölkerung.
Die Daten sprechen für sich. Von den fast 700 Personen, die bisher an der Untersuchung teilgenommen haben, geben 88 % an, dass die Bahnkrise ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Achtzig Prozent sagen, dass der Zug mehr als die Hälfte der Zeit Verspätung hat, und fast die Hälfte sagt, dass er immer zu spät kommt. Und je mehr man auf den Zug angewiesen ist, desto schlimmer: mehr Beschwerden, mehr Frustration, mehr Verschleiß.
Auf einer Angstskala von 0 bis 20 liegt der übliche Durchschnitt der Bevölkerung bei 3,56 . Bei den häufigen Nutzern von Rodalies steigt dieser Wert auf 8,69. Bei den Depressionen liegt der Referenzdurchschnitt bei 5,32, aber die von regelmäßigen Verspätungen Betroffenen überschreiten 8 Punkte. Das Gleiche gilt für die körperlichen Symptome, die sich aus der emotionalen Belastung ergeben, die von einem Gesamtdurchschnitt von 4,26 auf einen beunruhigenden Wert von 8,38 bei den Vielfahrern ansteigt.
Sergi Martín-Arbós, der Leiter der Studie, erklärte in einem Interview auf RAC1: „Nicht zu wissen, ob man pünktlich zur Arbeit, zu einer Prüfung oder zu einem Termin kommt, erzeugt eine Unsicherheit, die natürlich Folgen hat“.
Die Auswirkungen sind so groß, dass viele Menschen lebenswichtige Entscheidungen von der Zuverlässigkeit der Verkehrsmittel abhängig machen: Sie wechseln den Wohnort, den Arbeitsplatz oder das Studium. „Wenn man sieht, dass sich die Situation hinzieht und es keine klare Lösung gibt, ist es logisch, nach Alternativen zu suchen“, fügt Martín-Arbós hinzu.
Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, und es ist geplant, die Analyse auf andere Faktoren wie Geschlecht, Familiensituation oder persönliches Umfeld auszudehnen. Aber sie hat bereits Zahlen für etwas geliefert, das Tausende von Nutzern seit Jahren anprangern: Wer mit Rodalies fährt, verliert nicht nur Zeit, sondern kann auch seine geistige Gesundheit verlieren.