Es gibt Tage, an denen der Asphalt geradezu danach zu schreien scheint, dass wir einen Moment innehalten und uns umschauen. In einer Zeit, in der uns der Alltag oft zwischen Nostalgie für die Vergangenheit und der Angst vor einer apokalyptisch anmutenden Zukunft hin- und herreißt, schlägt Barcelona vor, gemeinsam eine Pause einzulegen, um das Hier und Jetzt zu betrachten. Vom 13. bis 18. Oktober findet in der Stadt eine neue Ausgabe der Biennal de Pensament statt, eine Veranstaltung, die unter dem Motto „Die Gegenwart entfesseln“ die Einwohnerinnen und Einwohner dazu einlädt, die Stadt als ideale Kulisse zu nutzen, um sich andere Lebensformen vorzustellen.
Um das zu erreichen, wird diese Initiative, die vom Stadtrat über das Kulturinstitut von Barcelona (ICUB) und Einrichtungen wie dem CCCB vorangetrieben wird, den öffentlichen Raum in einen Ort der Begegnung und des pluralistischen Dialogs verwandeln. Das zentrale Ziel ist, dass Denker und Bürger gemeinsam Antworten auf dringende Fragen suchen: Wie kann man Solidarität angesichts der Ausgrenzungen des Neoliberalismus fördern, wie können Städte demokratische Zufluchtsorte vor Autoritarismus sein und, kurz gesagt, was können wir tun, um die materiellen und symbolischen Lebensbedingungen aller Stadtbewohner zu verbessern?
Stimmen, die das Gewissen aufrütteln
Das diesjährige Programm will sich von absoluten Wahrheiten lösen, um spannende Debatten aus verschiedenen Perspektiven zu bieten. Unter den geladenen Rednern finden sich namhafte Persönlichkeiten aus der Welt der Literatur, wie die Schriftstellerin Mariana Enríquez, die mallorquinische Autorin Antònia Vicens oder die Dichterin Chantal Maillard.
Das Kino und die darstellenden Künste werden durch den Regisseur José Luis Guerin und die Künstlerin Angelica Liddell vertreten , die gemeinsam mit Persönlichkeiten aus den Bereichen Aktivismus und Politik ihre Gedanken teilen werden. Dazu gehören Liliam Thuram, ehemalige Fußballerin und Aktivistin; die mexikanische Journalistin Eileen Truax, Spezialistin für Migrationsfragen; die Denkerin Fina Birulés i Bertran; oder der deutsche Künstler und Kommunikator Jean-Philippe Kindler, ein Satiriker, den die konservativen Kreise seines Landes ohne zu zögern als „Unruhestifter“ bezeichnen.
Um all diese fundierten und kritischen Gedanken zu strukturieren, verfügt die Biennale über ein Kuratorenteam aus Organisationen und Fachleuten, die das ganze Jahr über daran arbeiten, diese Debatten auf die Straße zu bringen.
Zu dieser Initiativgruppe gehören die Philosophin Marina Garcés und der Journalist Albert Lladó, die die Escola de Pensament leiten; Mireia Calafell und Berta Subirats, die die Kulturproduktionsfirma La Sullivan leiten; Elisabet Goula, Leiterin des Zentrums für Dokumentation und Debatten des CCCB; sowie Rafael Vilasanjuan, Direktor für Translation und Wirkung bei ISGlobal.
Eine bürgerliche Tradition, die sich festigt
Die 2018 ins Leben gerufeneBiennal de Pensament bleibt ihrem Kerngedanken treu: Großstädte zum Ausgangspunkt zu machen, um die Herausforderungen heutiger Gesellschaften anzugehen. Seitdem setzt sich das Projekt dafür ein, Menschenrechte und Demokratie durch einen kollektiven und ungefilterten Dialog zu schützen.
Wer sich an diesem großen städtischen Dialog beteiligen und keine der Debatten verpassen möchte, kann sich die Termine schon mal im Kalender vormerken und das detaillierte Programm auf der offiziellen Website der Veranstaltung einsehen.