Während viele traditionelle Kioske in Barcelona den Laden schließen oder ihre Auslagen umgestalten, um Touristen-Souvenirs zu verkaufen, versucht ein neues Geschäft, das Nachbarschaftsmodell wiederzubeleben. FRED hat in der Stadt seine Türen geöffnet und kombiniert den Verkauf von Tageszeitungen, Zeitschriften und Sammelbildern mit einer Espressomaschine – damit bietet es eine konkrete Lösung für das fortschreitende Verschwinden dieser historischen Treffpunkte in der Nachbarschaft.
Die Partnerschaft hinter dem neuen Konzept
Das Projekt ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Fran und Eddie, der als Betreiber der Burgerbude „Fast Eddie’s“ bekannt ist. Der Name des Kiosks leitet sich genau aus der Verschmelzung ihrer Initialen ab. Die Entscheidung, diesen Kiosk zu eröffnen, fiel, nachdem sie den tiefgreifenden Wandel und die Krise der Branche in der Stadt beobachtet hatten – im letzten Jahrzehnt schloss die Hälfte der Kioske, wodurch ganze Stadtteile ohne ihren gewohnten Anbieter für die tägliche Lektüre zurückblieben.
In den Auslagen von FRED bleibt das klassische Angebot unverändert. Die Kunden finden dort die gewohnte Tageszeitung, eine Auswahl an Zeitschriften, Sammelbilder und kleines Kinderspielzeug wie Miniaturautos. Die wichtigste Neuerung ist die Einführung von Kaffee und anderen Getränken. All das, so die Gründer, mit dem Ziel, erschwingliche Preise beizubehalten, die die Identität des Kiosks als Anlaufstelle stärken und eine wirtschaftliche Ausgrenzung der Anwohner verhindern.
Der Kontrast zum touristischen Modell
Die Eröffnung des Kiosks hat sich direkt auf den Alltag der Anwohner ausgewirkt. Schon von Anfang an haben ältere Kunden den Gründern ihre Erleichterung darüber mitgeteilt, dass sie nun nicht mehr bis zu vier Straßen weiter laufen müssen, um ihre übliche Printausgabe zu bekommen. Dieser mangelnde Zugang ist darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der noch bestehenden Kioske die Tageszeitungen durch Artikel für ausländische Besucher ersetzt hat und ihre Regale mit Faltblättern und T-Shirts mit Slogans über Barcelona füllt.
Mit diesem Konzept versucht der Kiosk, der Straße einen Raum zurückzugeben, der früher nicht nur als Verkaufsstelle diente, sondern auch als Ort, an dem man Informationen bekam und sich unterhielt. Die Initiative bietet Passanten eine reale Alternative zur Überflutung und Informationsflut durch Handybildschirme und stellt eine Theke bereit, an der man innehalten und wieder die guten alten Printmedien genießen kann.