Es gibt Gerichte, die nicht nur Essen sind, sondern eine Umarmung. Jetzt, wo die Kälte des Januars mehr als nur einen Schal verlangt, sendet uns der Körper klare Signale: Er braucht einen Löffel, er braucht Brühe und vor allem braucht er Zeit. In einer Stadt, die immer gegen die Zeit rennt, ist es fast schon ein Akt des Widerstands, einen Ort zu finden, der sich die Geduld des langsamen Kochens auf die Fahnen schreibt. Genau das passiert jeden Mittwoch im Restaurant Reversible, wo die Escudella i Carn d’Olla zum Mittelpunkt des Mittwochs wird.
Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss des Hotels Indigo, mitten auf der Gran Via und nur einen Katzensprung von der Plaça Espanya entfernt. Hier hat man beschlossen, dass man an Wintermittwochen nicht einfach irgendein Menü essen will. Der Küchenchef Víctor Alfageme hat ein Angebot zusammengestellt, das der regionalen Küche Tribut zollt, die nach Zuhause duftet und nach den stundenlangen Kochkünsten, die unsere Großmütter wie keine anderen beherrschten. Für 24 Euro wird das Menü Escudella als komplettes Ritual präsentiert, das natürlich mit einer dicken, dampfenden Brühe beginnt, die einen schon beim ersten Schluck wiederbelebt, begleitet von den unverzichtbaren Galets.
Aber das Fest endet nicht mit der Suppe. Nach traditioneller Art geht das Festmahl weiter mit dem separat servierten Carn d’olla. Hier kommen die Hauptdarsteller ins Spiel: Kohl, Hülsenfrüchte und eine Auswahl an Fleischsorten, die dem Gericht seinen Sinn geben, von der Butifarra bis zur legendären Pilota, einem Hackfleischbällchen, das für viele das Herzstück des Erlebnisses ist. Es ist eine Küche, die aus Resten zubereitet wird und zum alltäglichen Luxus erhoben wird, serviert in einer Atmosphäre, die dazu einlädt, einen Gang herunterzuschalten und für eine Weile die Hektik der Straße zu vergessen.
Auch wenn wir sie heute mit großen Festen oder dem Weihnachtsessen verbinden, entstand die Escudella in der ländlichen Welt als Alltagsgericht. Es war die intelligenteste Art, das zu nutzen, was das Land zu jeder Jahreszeit bot, indem man alles, was gerade zur Verfügung stand, in den Topf warf, um die arbeitenden Familien zu ernähren. Mit der Zeit wurde diese Bescheidenheit zu einer Identität und neben dem Brot mit Tomate zum stärksten kulinarischen Symbol Kataloniens.
Um den Kreis im Reversible zu schließen, endet das Menü mit einer Crema Catalana nach klassischem Rezept, denn wenn man sich schon der Tradition hingibt, sollte man dies auch konsequent tun.
